15. Dezember 2022

Mit offenen Herzen über den Tellerrand surfen

AKTIVISMUS IN DER WERBUNG?

Wir haben neulich einige Menschen von Loyalsea kennengelernt. Loyalsea ist eine Gruppe von Forscher:innen und Filmer:innen, von Surfer:innen und Strateg:innen, von Menschen, die 100% remote arbeiten, verteilt auf zwei Kontinenten und in fünf Ländern.

INTERVIEW Maja Hoock

Das internationale Team hat aus seiner Leidenschaft zu Reisen und seinen diversen Lebensentwürfen ein Businessmodell entworfen – mit dem Ziel, unsere Wahrnehmung von Marken (und Menschen) nachhaltig zum Besseren zu beeinflussen. Mal anderen als den ausgetretenen Pfaden zu folgen. Mit offenem Blick Menschen zu begegnen.

Werbebilder verkaufen ein Szenario, einen Möglichkeitsraum. Sie erzeugen Resonanz und damit Relevanz (denn dafür geben Konsument:innen Geld aus). Wir alle sehnen uns nach relevanten Geschichten und Darstellungen, in denen wir uns wiederfinden können, nach „Rolemodels“, die aus der Mitte kommen, bezugsfähig, spannend und real. Das Ziel von Loyalsea: Diversität zur neuen Norm zu machen – nicht nur als Notlösung zur Wiedergutmachung nach dem letzten Shitstorm.

FÜNF FRAGEN AN KATHARINA KIÉCK

Spannenden Menschen und ihren Geschichten zu begegnen, die Welt zu entdecken und Spaß bei der Arbeit zu haben. Was will man mehr?

Wir wollen weg vom inhaltlosen Hochglanz und von Rollenbildern, die uns falsche Ideale in den Kopf setzen und an die man als Contentagentur selbst nicht mehr glauben kann. Wir wollen Denkanstöße geben, für nachhaltige Begegnungen mit der Natur sensibilisieren und unsere Auftraggeber:innen dazu bringen, ihre eigenen Klischees zu hinterfragen.

Was ist dir bei deiner Arbeit wichtig? Und wie umgehst du Klischees?

Menschen: Die sind und werden immer das Wichtigste sein. Wir binden Sportler:innen, Künstler:innen, Aktivist:innen etc. extrem in die Produktion ein. Versuchen nicht unsere oder die Kundenvision, sondern das Verständnis eines Sports oder eines Lebensstils aus Sicht der Menschen zu zeigen, die wir filmen. Ich drehe keine Szene in der ein Downhill Mountainbike dramatisch Sand aufwühlt, wenn mir die Sportlerin sagt, dass man den Track respektieren sollte. Dass das zwar geil aussieht, aber unter Fahrer:innen als nicht authentisch und auch falsch gesehen wird.

Eure Models sind nicht die gewohnten, glatten Persönlichkeiten. Wie castet ihr?

Wir sprechen nicht von casten oder Models. Wir lernen über unser Netzwerk immer wieder spannende Persönlichkeiten kennen und versuchen, sie in Projekte einzubinden. Das ist nicht immer einfach beim Shooting, weil man mehr Zeit einplanen und viel mehr reale Emotionen „produzieren“ muss, macht es aber auch so viel spannender.

Da kommt ein:e Auftraggeber:in und hätte gern hübsche Bikinimädels vor Palmen auf dem Surfbrett. Welchen Rat gebt ihr?

1.) Das nicht zu produzieren, denn damit gewinnen sie heute keinen Blumentopf mehr.
2.) Wen anders zu fragen, wenn sie nach wie vor glauben, es sei sinnvoll!

Ihr wollt neue Rolemodels etablieren. In eurem Insta-Account sieht es aber doch sehr schön und glatt aus. Müsst ihr euch auch selbst mal an euren Vorsatz erinnern?

Auf jeden Fall. Wir haben ein paar Grundsätze (die es zu erweitern gilt), die uns helfen. Zum Beispiel retuschieren wir Menschen nicht, fassen Gesichter und Körper in der Postproduktion nicht an. Am Set gibt es extensive Verhaltensbriefings für Nachhaltigkeit und gegen Sexismus etc. Aber auch wir lernen jeden Tag und arbeiten daran, unseren Werten immer gerechter zu werden.

Dieser Artikel stammt aus unserem BAM Magazin. Erfahre mehr darüber hier.


KATHARINA KIÉCK

Loyalsea, CEODie Anthropologin und leidenschaftliche Surferin wollte ursprünglich Museumskuratorin oder Mixed Martial Arts-Profi werden – weit entfernt von ihrem aktuellen Ansatz, mehr Diversität in heutige Medien- produktionen zu bringen. Dazwischen arbeitete sie als Futuristin, Markenstrategin bei Twitter und CSO bei einem Start-up für künstliche Intelligenz. — loyalsea.com

15. Juli 2022

Du bist vielleicht ’ne Marke

Wir entwickeln Marken. Typisches Szenario: Da kommt dieses Start-up mit einem neuen Produkt oder das Unternehmen mit Innovationsdruck zu uns und fragt, ob wir (schnell) helfen können, daraus eine Marke zu entwickeln.

So fangen viele Liebesbeziehungen bei Zentralnorden an. Aber wie bei Beziehungen üblich, geht es irgendwann ans Eingemachte: Reden wir eigentlich über die gleichen Dinge? Haben wir ein ähnliches Werteverständnis? Begegnen wir uns auf Augenhöhe? An diesem Punkt zerbrechen manche Beziehungen und jede:r geht mal mehr oder weniger glücklich ihrer/seiner Wege. Wir sind an Langzeitbeziehungen interessiert! Deswegen suchen wir uns Kund:innen mit denen wir über längere Zeiträume hinweg zusammenarbeiten, pflegen ein gutes Verhältnis und gemeinsam vertretene Ziele. So entsteht eine Markenführung, die Kund:innen und Agentur glücklich macht.

WIE GESTALTEN WIR DEN PROZESS EINER MARKENENTWICKLUNG?

Woher kommen die Puzzleteile, die das große Ganze ergeben? Wir sind uns sicher: aus dir/euch selbst! So geht es im ersten Schritt immer um die Werte der Menschen, die das Geschäftsmodell maßgeblich mit aufgebaut haben. Wofür brennen sie? Was hat sie letztendlich dazu bewogen, ihr Business aufzubauen? Haben sich „Bullshit-Werte“ eingeschlichen, an die keine/r mehr recht glaubt und die in ihrer Beliebigkeit komplett austauschbar sind? Wir meinen: Hinter jeder langfristig erfolgreichen Marke stehen einfache, glaubhafte Werte. Jede erfolgreiche Marke wurde von innen heraus entwickelt. Diese Grundlage bildet zugleich einen großen Benefit unseres Tuns: Wir arbeiten Kernwerte heraus und fördern dadurch intrinsisch motivierte Mitarbeiter:innen. So entsteht eine Marke mit Bestand, die von den Mitarbeiter:innen getragen wird – und von ihren Kund:innen verstanden und geliebt.

Klingt nach viel Denkarbeit. Ist es auch. Zum Kreativsein gehört Spaß aber unbedingt mit dazu. Das heißt, wir versuchen, ob digital oder analog, Methoden zu finden, bei denen wir lachen können, um nicht zu verkrampfen. Dazu gehören eine großzügige Portion animierte Gifs, gutes Essen und super Kaffee. Wenn es um rein digitale Workshops geht, schicken wir den Teilnehmer:innen auch schon mal ein kleines Carepaket mit Snacks, Drinks und passender Spotify-Playlist. In diesem Setting und durch strategische Wegweiser oder Kreativtechniken werden oft überraschend einfache, aber überzeugende Kernwerte geboren.

Ist der Kern der Marke gefunden, erweitert sich das Team und dann kommen endlich Farbe und Form ins Spiel. Art-Direktor:innen helfen dabei, die gefundenen abstrakten Werte in erste Grafikelemente zu übersetzen. Wir glauben daran, dass man schon sehr früh gemeinsam, also im Team von Agentur und Kund:in, die grundlegenden Dinge erarbeiten sollte. Mit einer Art „partizipativen Designs“ fühlen wir uns wohl. Auch wenn es uns und unseren Kund:innen viel abverlangt. Hier gibt es mehr Abstimmungsschleifen und Raum für Diskussion. Am Ende steht ein Design, das Substanz hat und nachhaltig ist.

Dieser Artikel stammt aus unserem BAM Magazin. Erfahre mehr darüber hier.


Autor des Texts: Sören Klingsporn

SÖREN KLINGSPORN

CEO & Strategy bei Zentralnorden

Dein direkter Kontakt zu Zentralnorden: Royko
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